Volle Dröhnung Yoga

Schreien statt Stille, Fuck-you-Position statt herabschauender Hund

VOLLE DRÖHNUNG YOGA

Beim Metal Yoga bringt Saskia Thode auch Typen ins Schwitzen, die mit Yoga bisher so gar nichts an der Matte hatten

Vor der Bühne der Saint Vitus Bar in Brooklyn heult eine erwartungsvolle Meute. In dem dunklen Gewölbe traten schon Nirvana, Megadeth und Anthrax auf. Aus den Boxen dröhnt „Killed by Death“ von Motörhead. Die Musik bricht abrupt ab und es ertönt ein markerschütternder Kriegsschrei: Saskia Thode betritt den Ring. Die im dynamischen Vinyasa ausgebildete Yogalehrerin hat ausreichend Lungenkapazität, um ihre Anweisungen in für Metalheads gewohnten Dezibelstärken zu grölen. Ihre Schüler unterweist sie im tiefsten Deathmetal-Growl, die Übungen heißen „Gravedigger“, „Destroyer“ oder „Fuck You-Position“. Turboschnelle Luftgitarre mit Ausfallschritt links spielen, dabei Headbangen wie Sau, Wechsel auf rechts und das Gleiche nochmal: Der Schweiß fließt in Strömen und so manches Bierbäuchlein wackelt.

Harte Klänge zu entspannendem Yoga – kann diese Kombi überhaupt funktionieren? Klar, meint Thode. „Vielen fällt es schwer, in totaler Stille abzuschalten. Oft geht Loslassen bei lauter Musik besser.“ Thode, in Norddeutschland geboren und nach Amerika übergesiedelt, bezweckt mit ihrem Metalyoga dasselbe, was andere durch normales Yoga erreichen wollen: Innere Leere und Stille, Zufriedenheit und Angekommensein im Hier und Jetzt. Der Unterschied: „Bei mir kann man sich den ganzen Scheiß von der Seele schreien. Und nach einer Stunde sind meine Schüler genauso wie bei anderem Yoga in der besten Verfassung in eine Meditation überzugehen.“ So schafft es die 35-Jährige es sogar, Männer und Frauen anzulocken, die mit Yoga zuvor nichts anzufangen wußten, weil es ihnen immer zu spirituell war.

VOLLE DRÖHNUNG YOGA

Die Idee zum Metalyoga entstand eher zufällig. Als Thode in New York ihre Ausbildung zur Yogalehrerin machte, übte sie das Unterrichten an Freunden – allesamt Metalfans. Schnell stellte sich heraus, das die mit Kickbox-Elementen und Luftschlagzeugspielen mehr Spaß hatten als ohne. Heute finden Thodes Yoga-Klassen hauptsächlich in Bars oder Konzertlocations statt. „Wegen der Lautstärke“. Für Laien kaum merklich, steckt ziemlich viel normales Yoga in einer Einheit. „Ich baue die Klasse gern zu Black Sabbath oder AC/DC mit Warm-Ups auf. Es folgen stehende Positionen zu euphorischen Thrasher- Songs. Zu Doom- und Deathmetal kommen wir dann runter und enden in der Korpsposition am Boden liegend.“ Sogar auf dem Wacken, dem größten Metalfestival der Welt, hat die Frau mit der zarten Engelstatur schon Hunderten die Hölle heiß gemacht. Das wiederum ist kein Zufall. Als sie zwölf war, begleitete sie ihre Mutter, Metalfan der ersten Stunde, dorthin. „Der Apfel fällt halt nicht weit in Schlamm,“ sagt Thode und grinst.
OR

Schon Gewusst?

Headbangen befreit den Kopf und relaxt die Nackenmuskeln.

Einatmen, Wut rauslassen, ausatmen, bei sich sein

HIER GIBT‘S WAS AUF DIE OHREN

Den Sound zum Metal Yoga findet man auf Spotify. Einfach nach „Metalyogabones“ suchen. Unsere Lieblings-Playlist: Metal Yoga May 24

  • Girls, Girls, Girls, Mötley Crüe
  • Rock the Night, Europe
  • Symphony of Destruction, Megadeth
  • Death To All but Metal, Steel Panther
  • Rock You Like a Hurricane, Scorpions
  • Land of Shattered Dreams, DragonForce

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